Welche Kleidung eignet sich am besten zum Reiten?
Wenn Leute nach der besten Kleidung zum Reiten fragen, erwarten sie oft eine Liste von Marken oder trendigen Outfits. Nachdem ich über fünf Jahrzehnte lang geritten bin – angefangen mit sieben Jahren, eigene Pferde hatte, in Reitschulen, im Urlaub, auf dem Land und bei jedem deutschen Wetter geritten bin – kann ich eines ganz klar sagen:
Die beste Reitkleidung ist die, die dich sicher, bequem und entspannt hält – denn dein Pferd wird den Unterschied sofort spüren.
Dieser Artikel wurde speziell für Anfänger, Freizeitreiter und Eltern, die Ausrüstung für ihre Kinder kaufen, geschrieben, basierend auf echter Erfahrung, nicht auf Marketing.
Wenn du auch Skifahrer bist und einen Leitfaden haben möchtest, was man zum Skifahren und Après Ski anziehen sollte, dann empfehle ich meinen Style Guide für Après Ski.
Warum Reitkleidung wichtiger ist, als du denkst
Von außen betrachtet mag Reiten wie „einfach auf einem Pferd sitzen“ aussehen. In Wirklichkeit ist es ein Ganzkörpertraining, das Gleichgewicht, Beinkontakt, Handgefühl und ständige Mikrobewegungen erfordert.
Wenn deine Kleidung dich einengt, reibt, dich frieren lässt oder dir ein unsicheres Gefühl gibt, leidet dein Reiten – und damit auch das Wohlbefinden deines Pferdes.
Ich habe es unzählige Male in Reitschulen, bei Freunden und in meiner eigenen Familie erlebt:
- Unbequeme Reiter werden steif.
- Steife Reiter verwirren das Pferd.
- Verwirrte Pferde werden schwierig oder unsicher.
Gute Kleidung hat nichts mit Mode zu tun. Es geht um Kommunikation und Vertrauen.
Die häufigsten Anfängerfehler (und warum sie wichtig sind)
1. Reiten in Jeans statt Reithosen
Dies ist mit Abstand der häufigste Fehler.
Jeans haben Innennähte, die an den Oberschenkeln reiben. Schon nach einem kurzen Ritt führt dies zu wunden Stellen – manchmal so schlimm, dass Anfänger am nächsten Tag nicht mehr reiten möchten.
Persönliche Fallstudie:
Im Urlaub hatte ich unerwartet die Gelegenheit zu reiten, aber meine Reithose nicht dabei. Ich ritt nur eine Stunde in Jeans. Am nächsten Tag waren meine Oberschenkel extrem wund. Lehre daraus gezogen – wieder einmal.
👉 Beste Wahl: Reithosen oder -tights mit flachen Nähten und Stretchmaterial.
2. Schuhe ohne Absatz
Schuhe ohne Absatz sind gefährlich. Dein Fuß kann zu weit in den Steigbügel rutschen, was den Halt verringert und das Risiko erhöht, beim Sturz stecken zu bleiben.
👉 Beste Wahl: Reitstiefel oder Stiefeletten mit einem deutlichen Absatz und glatter Sohle.
⚠️ Schnürsenkel vermeiden – sie können sich in den Steigbügeln verfangen.
3. Schlecht sitzende Helme
Ein Helm, der wackelt, schützt deinen Kopf nicht. Punkt.
Beim Reiten im Gelände sind Helme unerlässlich – nicht nur bei Stürzen, sondern auch wegen tief hängender Äste. Ich bin mehr als einmal mit Ästen zusammengestoßen; ohne Helm wäre das böse ausgegangen.
👉 Regel: Der Helm muss eng sitzen und darf sich beim Kopfschütteln nicht bewegen.
4. Keine Handschuhe tragen
Viele Anfänger unterschätzen Handschuhe.
Ohne sie:
- Bekommst du Blasen
- Tun dir die Hände weh
- Ziehst du an den Zügeln, statt sanft zu reiten
Ich wünschte, mir hätte jemand früher gesagt, wie wichtig Handschuhe sind – besonders bei lebhaften Pferden.
👉 Beste Wahl: Einfache Reithandschuhe mit gutem Grip. Am Anfang keine teuren.
Die Must-haves: Was du wirklich brauchst
Für Anfänger und Kinder halte ich Folgendes für unerlässlich:
- Helm (passende Größe, zertifiziert)
- Reithose (Komfort und Bewegungsfreiheit)
- Stiefel mit Absatz (keine Schnürsenkel)
- Handschuhe
- Rückenprotektor (wenn man mit dem Springen beginnt)
Diese Gegenstände sind keine Option. Sie sind die Grundlage für sicheres und angenehmes Reiten.
Komfort ist kein Luxus – er ist ein Sicherheitsfaktor
Pferde sind extrem sensible Tiere. Sie spüren:
- Wenn du steif bist
- Wenn dir kalt ist
- Wenn du dich unwohl fühlst
Wenn du bei einem Winterritt frierst, spannt sich dein Körper an. Ich habe gesehen, wie Kinder das Reiten ganz aufgegeben haben, weil sie es mit Kälte und Elend verbanden.
Frierender Reiter = angespannter Reiter = unglückliches Pferd
👉 Besonders für Kinder entscheidet die richtige saisonale Kleidung darüber, ob Reiten Spaß macht oder zu etwas wird, das sie vermeiden möchten.
Klima zählt: Kleidung für echte Reitbedingungen
Leben und Reiten in Deutschland bedeutet:
- +30°C Sommer
- -5°C Winter
- Wind, Regen und alles dazwischen
Die beste Kleidung passt sich an:
- Atmungsaktive Stoffe im Sommer
- Schichtenprinzip im Winter
- Wind- und wasserabweisende Außenschichten
Du solltest dich immer frei bewegen können – egal zu welcher Jahreszeit.
Budget vs. Leistung: Meine Philosophie
Für Anfänger:
- Bleibe budgetfreundlich
- Fokus auf Sicherheit und Komfort
- Nicht zu viel investieren, bevor man weiß, ob der Sport wirklich passt
Für Langzeitreiter:
- Investiere in Komfort, Haltbarkeit und Nachhaltigkeit
- Bessere Ausrüstung hält länger und fühlt sich besser an
- Langfristig ist dies wirtschaftlicher
Komfort ist nicht nur für dich – er wirkt sich direkt auf dein Pferd aus.
Marken vs. Passform: Was wirklich zählt
Mein stärkster Rat:
Gehe in ein Geschäft und probiere die Kleidung an.
Reitkleidung ist in der Regel schmal geschnitten und technisch. Du musst:
- Dich darin bewegen
- Sitzen, in die Hocke gehen und dich strecken
- Dich sofort wohlfühlen
Markennamen sind weit weniger wichtig als Passform und Bewegungsfreiheit.
Letzter Rat, den ich jedem neuen Reiter (oder Elternteil) geben würde
- Reiten in der falschen Kleidung macht keinen Spaß
- Wund sein, frieren oder Blasen haben ist schlimmer, als gar nicht zu reiten
- Wenn du dich sicher, bequem und selbstbewusst fühlst, wird dein Pferd es auch spüren
Die beste Reitkleidung ist die, die es Reiter und Pferd ermöglicht, den Ritt zu genießen.
Das ist kein Marketing – das ist Erfahrung. Vielleicht interessiert dich auch der Unterschied zwischen einem Pique-Polo und einem klassischen Polo.
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